Der Altar

Der Altar

Im Chor der St. Stephanikirche steht auf einer noch romanischen Altarmensa ein bedeutender spätgotischer zweifacher Wandelaltar von 1484.

 

 

 

 

 

 

Die Passionsseite

 

Bei geöffneten Außenflügeln zeigt der Altar während der Passionszeit über eine Breite von 4,6 m und zwei Reihen in 16 gemalten Bildern die Leidensgeschichte Christi vom Einzug in Jerusalem bis zur Auferstehung. Ein in Figuren- und Raumauffassung gotisch befangener Maler hat sehr ausdrucksstarke Szenen mit Raum- und Landschaftselementen geschaffen, die er zudem mit einem heilswirksamen Goldgrund hinterlegt hat. Eine Besonderheit ist die sehr selten dargestellte Szene "Die Kriegsknechte fallen vor Jesus zu Boden", die nur bei Johannes 18,6 beschrieben wird (Bild 4).

 

 

 

 

   

Die Festtagsseite 

 

Außerhalb der Passionszeit ist der Altar im Glanz der Festtagsseite mit einer Marienkrönung und Schnitzfiguren vor kostbarem und fein verziertem Goldgrund zu sehen. Der Mittelschrein zeigt, umgeben von einem Wolkenkranz mit  neun Gruppen von je drei musizierenden Engeln, Christus und Maria. Durch Strebepfeiler getrennt steht zur Rechten der Mittelgruppe der Titelheilige der Kirche, der hl. Stephanus mit den drei Steinen auf dem Buch, zur Linken Johannes der Täufer, auf das Lamm weisend. In den unteren Zwickeln - eine Besonderheit - der Verkündigungsengel Gabriel und Maria.

 

 

 

In den beiden Flügeln sind in zwei Zonen unter verschieden geformten Baldachinen je acht Personen angeordnet: die 12 Apostel und vier Heilige - Barbara, Maria Magdalena, Katharina und vermutlich Laurentius.

Bis heute sind die die reichen Vergoldungen weitgehend original erhalten (Schreinhintergründe, Obergewänder, Kronen u. a.)

 

  

  

 

 

Die Predalla

 

In der Predella stehen sieben vollplastische Halbfiguren gekrönter weiblicher Heiliger: In der Mitte Maria mit dem Kind und beiderseits je drei weibliche Heilige, darunter Katharina, Barbara und Dorothea.

 

Die Außenseiten der Flügel

 

sind heute mit grauer Farbe übermalt. Vermutlich zeigen sie eine Anbetung der hl. drei Könige. Im linken Flügel markiert sich eine Gestalt der sitzenden Maria, darüber das Dach des Stalles, im rechten Flügel eine schlanke männliche Gestalt mit Schnabelschuhen, engen Beinkleidern und kurzem Wams (der jüngste König?), oben eine Landschaft.

 

Die Beschreibung des Altares stützt sich auf eine Untersuchung durch Frau Helga Hoffmann, Weimar

Ein Altar, der dem Osterwiecker auffallend ähnelt, befindet sich in der Stadtkirche in Wegeleben, Kreis Halberstadt.

 

 

Durch die großzügige Unterstützung der Hans und Helga Eckensberger-Stiftung konnte der wertvolle Altar in drei Schritten gesichert und restauriert werden.

Als erstes wurde die Statik des Retabels und die Beweglichkeit der Flügel wiederhergestellt, im nächsten Schritt erfolgte die Restaurierung des Schreins der Predella mit denFiguren der Maria und sechs weiblicher Heiliger. Im Juli des Jahres 2012 konnte die Restaurierung mit der Festtagsseite und der Passionsseite beendet werden.