Weihnachtsbriefe


Weihnachtsbrief 2014

 

Kirchbauverein der St. Stephanikirche zu Osterwieck e.V.

Vorsitzende:  Peter Werner, Schützenstr. 8, 38835 Osterwieck

Dr. Klaus Thiele, Blankenburger Str. 9, 38302 Wolfenbüttel

                                                                              

                                                                                    

                                                                                     Osterwieck und Wolfenbüttel, im Advent 2014

 

„Unser Mund sei voll Lachens – Denn der Herr hat Großes an uns getan“

Mit dieser weihnachtlichen Kantate, sehr verehrte Freunde und Förderer der Stephani-Kirche Osterwieck und ihrer Kirchengemeinde, sehr verehrte Mitglieder des Kirchbauvereins

und den Neujahrskantaten V und VI aus Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium mit dem BACH CONSORT Leipzig unter Gotthold Schwarz möchten die Kirchengemeinde Osterwieck und Pastor Stephan Eichner am Sonntag, den 11. Januar 2015 um 16 Uhr mit Ihnen in das Neue Jahr gehen. Zugleich sind fast 25 Jahre verstrichen, seitdem im März 1990 der Kirchbauverein St. Stephani/Osterwieck noch als ein in beiden Teilen des damals noch nicht vereinten Deutschlands angemeldeter deutsch-deutscher Verein gegründet worden ist.

Obwohl nicht beheizbar und in schlechtem Zustand war gerade im Wendejahr 1989 nur die größere Stephanikirche groß genug für die ›Christvesper bei Kerzenschein‹ gewesen. „Dennoch kam eine große Traurigkeit in mir auf“, erinnerte sich ein langjähriges Kirchenratsmitglied, „wusste ich doch mehr über den schlechten baulichen Zustand als manch anderer und dass es keine Möglichkeit gab, ihn zu beheben.“  Und bis heute klingen die Worte aus der Predigt Pastorin Angelika Göbels am Tage der Vereinsgründung nach: „Die Verwahrlosung der Kirchen und anderer Gebäude in der DDR ist das äußere Symbol der inneren Verfassung der Menschen nach 40 Jahren DDR," – eine seelische Verfassung, die dennoch durch eine bis dahin nicht erlebte friedliche Revolution die DDR zur Öffnung der von ihr errichteten Mauern und Grenzen zwang und damit ein Jahr später die Wiedervereinigung Deutschlands möglich machte. Die Gründung des Kirchbauvereins löste schon im Jahr 1990 eine heute kaum noch vorstellbare Spendenbereitschaft aus, nicht nur im Nordharzer und Wolfenbüttel-Braunschweiger Land sondern in ganz Deutschland – mit fast 670.000 DM konnte der Verein bis 1999 mehr als 50% der Eigenmittel von Kirchengemeinde und Kirchbauverein oder 24% zu den Gesamtinvestitionen in Höhe von knapp 2,8 Millionen DM beitragen.

Dass Sie, sehr verehrte Freunde und Förderer der Stephani-Kirche Osterwieck und sehr verehrte Mitglieder des Kirchbauvereins auch im vergangenen Jahr mit Ihren Spenden an unserer Seite geblieben sind, dafür danken wir Ihnen sehr herzlich und möchten auch weiterhin darum bitten. Wenn auch mit dem baldigen Abschluss der Arbeiten an der Südseite der Kirche – der Eckensberger-Stiftung Braunschweig danken wir nochmals für die Förderung der Steinmetzarbeiten am westlichen Südportal in Höhe 18.112 € – als letzte noch ausstehende Maßnahme die Renovierung des Außenmauerwerks in Angriff genommen worden ist, so kann dies wegen unerwartet großer Schädigungen der Sandsteine an Pfeilern, Gesimsen und Fensterlaibungen der Südseite mit den zur Verfügung stehenden Mitteln nicht wie ursprünglich geplant an der Nordseite fortgesetzt werden. Auch die letzten Reserven des Kirchbauvereins sind dazu zu gering und sollten, wie immer in den vergangenen Jahren das notwendige „Eigenmittel-Quäntchen“ für die Anwerbung öffentlicher Mittel bleiben. Diesem durch Ihre Spenden für den hoffentlich letzten Anwerbungsmarathon das notwendige Gewicht zu geben, darum möchten wir Sie hiermit herzlich bitten, nicht zuletzt ganz persönlich der Verfasser dieser Briefe seit 15 Jahren, der nunmehr im 81 Lebensjahr stehend auch „diese seine Zeit“ als ablaufend erlebt.

Auch in diesem Jahr hat der Kirchbauverein einige „kleinere“ Maßnahmen ermöglicht. So wurden die schon bei der Fußbodenrenovierung aufgefundenen Steinepitaph-Bruchstücke nochmals überholt und an zuvor restauratorisch vorbereiteten Wänden im Erdgeschoss des Südturms angebracht. Eine Besonderheit darunter ist das Epitaph-Fragment der Ehefrau des in St. Stephani mehrfach verewigten Ratsherrn, Kämmerers und Bürgermeisters Jonas Schrader. Es ist der einzige erhaltene Grabstein einer bürgerlichen Frau Osterwiecks aus dem frühen 17. Jahrhundert. Auch der Wandputz der durch das große romanische Turmportal zugänglichen Eingangshalle wurde erneuert, die Wiederherstellung der ursprünglichen romanischen Rundbogenöffnung zur Erdgeschosskapelle im Nordturm ist vorgesehen.

Vom 15.05. bis 17.05.2015 wird unter dem Motto „Vom Buchdruck zu Facebook“ – im Themenjahr „Bild und Bibel“ der Lutherdekade ein Reformationsfest stattfinden. Es wird Freitagabend am 15. Mai in St. Stephani mit einem Auftaktkonzert der Band „Marco Böttger Swintett & Orgelsax“ eingeleitet, dem die Vorstellung der neu gestalteten „Inschriften-Fassade“ an der ehemaligen Stephani-Schule folgen soll. Am Samstag, den 16. Mai sind in der Kirche ein Kindermusical über Martin Luther unter dem Titel „ Der falsche Ritter“ und eine prominent besetzte Podiumsdiskussionsrunde geplant. Höhepunkt am Sonntag, den 17.Mai wird der Festgottesdienst mit Frau Landesbischöfin Ilse Junkermann und Sängern und Bläsern des Kirchenkreises sein, auch eine Theateraufführung des Fallsteingymnasiums ist vorgesehen. Die Festmeile ist mit vielen weiteren Attraktionen der Stephanikirchhof.

Am Freitag, 19.06 2015, 9.00 Uhr beginnt in Osterwieck eine Tagung des Mitteldeutschen Kulturrates unter dem Thema : Eisleben/Mansfeld und Osterwieck – Stätten früher Mission und früher Reformation im Themenjahr ›Reformation, Bild und Bibel‹. Sie wird am 20. und 21.06 in Eisleben und Mansfeld fortgesetzt werden. So wie in der Annenkirche in Eisleben die Sandsteinreliefs an den Chorgestühl-Brüstungen aus dem Jahr 1585 nach Vorlagen von Virgil Solis entstanden sind, waren seine Holzschnitte auch für die Maler Vorbild, die 1589 in Osterwieck den ältesten nahezu vollständig erhaltenen alt- und neutestamentlichen Bildzyklus an den Brüstungen der Nordempore und Gildenprieche schufen. Nach zwei Vorträgen der Herren Dr. Bernhard Zich, Halle und Prof. Dr. Gerd Biegel, Braunschweig im „Hotel Brauner Hirsch“ wird Herr Dr. Kristlieb Adloff, Wolfenbüttel, vor den Emporenbildern in St. Stephani über „Das Alte Testament als Heilige Schrift der Juden und Christen“ sprechen. Danach wird es Gelegenheit geben, die Holzschnittvorlagen und ihre emporenbildliche Umsetzung kennen zu lernen. Nach der Mittagspause sind Kirchen- und Stadtführungen vorgesehen. Das Mitteldeutsche Jahrbuch 2015 wird unserem Verein einen ausführlichen Beitrag unter der Überschrift „Der Kirchbauverein St. Stephani/Osterwieck – 25 Jahre Zeitgeschichte im Spannungsfeld des sich wiedervereinigenden Deutschland“ widmen.

 

Ein ganz besonderer Dank geht auch in diesem Jahr an die Hans und Helga Eckensberger-Stiftung, Braunschweig. Im Sinne der Unterstützung der Wolfenbütteler Mitglieder des Kirchbauvereins und zur bildlichen Dokumentation des auch mit ihrer Hilfe in Osterwieck, speziell in St. Stephani Erreichten wird die Stiftung die Herausgabe eines 84seitigen großen Bildbandes fördern, dessen Fertigstellung ebenfalls für die Mitte des nächsten Jahres vorgesehen ist.

Frau Kantorin Kirsten Eichner und Herr Pastor Stephan Eichner haben auch im nächsten Jahr wieder ein abwechslungsreiches Musikprogramm zusammengestellt, aus dem hier nur auf das am Sonntag, den 11. Januar 2015 um 16.00 Uhr stattfindende Neujahrskonzert mit der weihnachtlichen Kantate „Unser Mund sei voll Lachens“ und den Neujahrskantaten V und VI aus Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium mit dem BACH CONCORT LEIPZIG & und dem Sächsischen Barockorchester unter Gotthold Schwarz nochmals hingewiesen sein soll. Eintritt: 20,- € / erm.: 15,- €. Die Karten dafür sind jetzt schon erhältlich.

Wenn Sie die Weihnachtsfeiertage und der Jahreswechsel nicht schon vorher nach Osterwieck führen sollten, wünschen wir Ihnen bereits jetzt ein gesegnetes Weihnachtsfest und alles Gute für das neue Jahr.

 
 
 

         Peter Werner           Dr. Klaus Thiele                  Pfarrer Stephan Eichner

 


                                                                                   


Weihnachtsbrief 2013

 

Vorsitzende:   Peter Werner, Schützenstr. 8

           38835 Osterwieck

           Dr. Klaus Thiele, Blankenburger Str. 9

           38302 Wolfenbüttel


                                                                                        Osterwieck und Wolfenbüttel, im Advent 2013


 

„ij fl° vor de groten Kerkdore thomakende – 2 fl° für die große Kirchentüre zumachende" werden schon im Jahr 1553 unter „Ausgabe Ins gemehne" in dem von den Kirchenvorstehern geführten Bauregister abgerechnet.

Zwei Gulden, sehr verehrte Freunde und Förderer der Stephani-Kirche Osterwieck

und ihrer Kirchengemeinde, sehr verehrte Mitglieder des Kirchbauvereins,

können nicht die Bezahlung gewesen sein, die der in Osterwieck ansässige Meister Jakob Tetteborn für das Steinmetzkunstwerk am Südwestportal von St. Stephani erhalten hat, denn zwei Gulden war damals der durchschnittliche Verdienst eines Steinmetzmeisters in nur 10 Tagen. Zwei Gulden dürfte eine „große Tür“ für das schon im vorangegangenen Jahr entstandene Portal gekostet haben.

Denn obwohl man erst im März 1552 begonnen hatte, das mittelalterliche Kirchenschiff abzureißen, ist bereits fast die Hälfte der in fünf Jahren für Maurerarbeiten ausgegebenen Summe im ersten Baujahr abgerechnet worden. Daraus darf man schließen, dass unter Wiederverwendung von Abrisssteinen die Außenmauern des neuen Kirchenschiffs 1552 schon so hoch gewesen sind, dass der Steinmetz Jacob Tetteborn auf den von ihm vorbereiteten Sockelsteinen – denn der alles einfassende Laubstab schließt auch diese ein – das spätgotische Portal schon in diesem Jahr fertigstellen konnte. Die von ihm selbst über dem Wappen mit seinem Steinmetzzeichen oberhalb der dort zusammenlaufenden Laubstäbe angebrachte Datierung 1552 belegt das – und bereits der Altmeister der Osterwiecker Heimatforscher Paul Eisert hat erkannt, dass deren Enden wie zwei Zeigefingerspitzen gestaltet sind, die unmissverständlich darauf hinweisen.

Der Einbau des Steinmetzkunstwerks schon im ersten Baujahr des neuen Kirchenschiffs erscheint zunächst zufällig, dennoch gelang Tetteborn damit zweierlei: Zum einen bereitet der Künstler bis heute jeden in die Kirche Eintretenden durch die in zwei Ebenen gestaffelten – von der Ferne erscheinen es vier zu sein – sich mehrfach überkreuzenden Kielbögen und durch Stäbe gestützten Vorhangbögen auf einen besonderen Raum vor – zum andern war für die damals erst mit der Planung und Errichtung der Kirche Befassten die klare, lineare Spätgotik des ortsansässigen Steinmetz eine stilistische und terminlich gemeinte Vorgabe. Dass das neue Kirchenschiff in nur fünf Jahren vollendet werden konnte und seine elegante harmonische Spätgotik, beweist, dass er damals verstanden worden ist.

Das Kuratorium der Hans und Helga Eckensberger-Stiftung hat am 19.11.2013 beschlossen, die Restaurierung des Steinmetzkunstwerks Jacob Tetteborns mit 18.112 € zu fördern. Wir sind dafür besonders dankbar – schon deshalb, weil die Stiftung erst in den Jahren 2010–2012 durch mehrere hohe Zuwendungen eine geradezu maßstäbliche Restaurierung des Altartriptychons der Kirche ermöglicht hat. Herzlichen Dank für die großzügigen Hilfen durch nunmehr über 20 Jahre. Im ZDF-Gottesdienst, für den Pastor Eichner und der Kirchengemeinde Dank zu sagen ist, konnte sich ganz Deutschland davon überzeugen.

Herzlichen Dank auch an Sie, verehrte Freunde und Förderer der Kirche St. Stephani und Mitglieder des Kirchbauvereins für die Spenden und Mitgliedsbeiträge, mit denen Sie uns auch im ablaufenden Jahr unterstützt haben. Wir sind dankbar, dem Rundschreiben wieder eine große Anzahl von Spendenbescheinigungen beilegen zu können.

Wir bitten Sie aber auch in diesem Jahr darum, darin nicht nachzulassen - trotz des mit allem notwendigen Vorbehalt fast absehbaren Endes unserer 1989/90 begonnenen Bemühungen. Denn die Finanzierung der allein noch ausstehenden Renovierung des Äußeren des Kirchenschiffs ist trotz mancher sicheren Zusagen keineswegs gesichert. Je größer die Eigenmittel des Kirchbauvereins sind, umso mehr können wir bewirken.

Durch den Beschluss, nach der Restaurierung der Brautpforte im Jahr 2007 jetzt auch die des Südwestportals zu fördern, hat die Eckensberger-Stiftung die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass sich die Baugeschichte des Kirchenschiffs im Jahr 1552 in der Restaurierungsgeschichte des Jahres 2014 wiederholen könnte. Denn die von ihr geförderte Maßnahme muss unverzüglich durchgeführt und spätestens am 31.12.2014 abgerechnet werden. Wenn es der Kirchengemeinde als Bauherrn und dem Planungsring Wernigerode gelingt, darüber hinaus die Bereitstellung von 158.000 € für die Renovierung der stadtseitigen Südfassade um die beiden Portale und die eines besonders gefährdeten Pfeilers an der Nordseite zu sichern, dann hätten wir die Botschaft Tetteborns aus dem Jahr 1552 ebenso wie die der Eckensberger-Stiftung vom 19.11.2013 richtig verstanden.

Denn das in Vorbereitung auf die 500Jahrfeier der Reformation für Mai 2015 angesetzte ›Luther-Fest‹ soll nach den Planungen Pastor Stephan Eichners und Bürgermeisterin Inge Wagenführs in Zusammenarbeit von Kirche und Einheitsgemeinde unter prominenter Beteiligung anders als 2012 nur in der Kirche und auf dem Stephanikirchhof stattfinden. Im Juni 2015 hat der Mitteldeutsche Kulturrat eine Tagung vorgesehen, die unter dem Arbeitstitel: Eisleben/Mansfeld und Osterwieck – Stätten früher Mission und früher Reformation im Themenjahr ›Reformation, Bild und Bibel‹ in Osterwieck beginnen und dann in Eisleben und Mansfeld fortgesetzt werden soll. Umso wichtiger wäre es, 2014 dafür die Voraussetzungen an der Südseite der Kirche und auf dem Stephanikirchhof zu schaffen.

Über die Wanderausstellung, die das Landesmuseum Halle noch bis 31.03.2014 in der Kapellenstraße 2 in Osterwieck veranstaltet, legen wir ein Faltblatt anbei – weist doch die Ausstellung auf die kosmologisch verwurzelte tiefe Religiosität der Menschen hin, die als ›Nordharzer Domäne‹ dieser Kultur auch in unserem Raum wohnten und ist doch jeder Besucher der Ausstellung auch einer der Kirche. Denn als Begleitausstellung dazu haben in St. Stephani der Verein ›Kulturland Osterwieck‹ und die Kirchengemeinde eine Ausstellung der ›Samstagsmaler‹ gestaltet. Sie zeigt, wie interessiert und liebevoll sich Hobbyzeichner, -aquarellisten und –maler mit Osterwieck und St. Stephani auseinandergesetzt haben.

Auch für das nächste Jahr hat Frau Kantorin Eichner wieder ein vielseitiges Musikprogramm zusammen gestellt. Besonders hingewiesen sei gleich am Sonntag, den 12. Januar um 16 Uhr auf das Neujahrskonzert mit den Kantaten I und IV–VI des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach. Wer Gotthold Schwarz und die Leipziger Kantorei in Osterwieck schon einmal erlebt hat, wird immer wieder kommen und wem dies bisher nicht vergönnt war, der sollte es auf garkeinen Fall versäumen!

Wenn Sie die Weihnachtsfeiertage und der Jahreswechsel nicht schon vorher nach Osterwieck führen sollten, wünschen wir Ihnen bis dahin ein gesegnetes Weihnachtsfest und alles Gute für das neue Jahr – es ist das 25. Jahr, seitdem unser Verein besteht!

                 Peter Werner                   Dr. Klaus Thiele              Pfarrer Stephan Eichner

 

    Spendenkonten:     Volksbank Börßum-Hornburg   BLZ 270 622 90 Kto.-Nr.   60 100 400

                                   Volksbank Wolfenbüttel           BLZ 270 925 55 Kto.-Nr. 0105 048 600


 

Weihnachtsbrief 2012

Kirchbauverein der St. Stephanikirche zu Osterwieck e.V.
Vorsitzende: Peter Werner, Schützenstr. 8
38835 Osterwieck
Dr. Klaus Thiele, Blankenburger Str. 9
38302 Wolfenbüttel
http://stephanikirche.npage.de
Osterwieck und Wolfenbüttel, im Advent 2012

Ì ANNO DOMINI MCCCXXXIC ... ERTMAR‘ ME FECIT ... ALPHA Ώ
Ì IM JAHR DES HERRN 1339 ...ERTMARUS HAT MICH GEMACHT... ALPHA Ώ
Die Weihe im Jahr 1339 - der Name des Glockengießers und ganz am Ende ›A und O‹ sind das einzige, das man bisher aus der dreizeiligen Inschrift auf der 1960kg schweren, größten und ältesten Glocke im Nord-turm von St. Stephani sicher deuten konnte. ›A und Ώ‹, den Glauben an Gott als Schöpfer und an Christus als Erlöser des Universums verkündet sie nun schon seit 674 Jahren. Erst aus den Kirchenrechnungsbü-chern, die bald nach der Einführung der Reformation in der Stadt ab 1537geführt wurden, erfahren wir nach und nach etwas mehr über diese Glocke. Nur an Festtagen und aus besonderen Anlässen wurde sie geläutet, und die vier Männer „die sie unter steter großer Gefahr treten mussten", sind jeweils extra dafür bezahlt worden. Deshalb schaffte man im Jahre 1913 für die beiden größten Glocken neue „Läutesysteme" an, die es ermöglichten, dass nunmehr „von einem Mann bequem geläutet werden konnte". Zu den Kosten von 2400 Mark „steuerte nach anfänglichem Sträuben die Königliche Regierung 809,33 Mark bei".

In den brandenburgisch-preußischen Zeiten des 17. bis 19. Jahrhunderts wurde anlässlich von Geburten im königlichen Hause wie auch beim Ableben des Königs oft über eine Woche täglich geläutet, siegreiche Schlachten wurden natürlich niemals ausgelassen. Wenn es eine Festtagsglocken-Läute-Chronik gäbe, „die kleine, wie die große Welt" aus fast 700 Jahren fände sich darin wieder. Welch gutes Omen ist es gewesen, dass nach langem Schweigen ihr Geläut schon im Mai dieses Jahres anlässlich des Epochenfestes ›Mit Luther in die Neue Zeit‹ den Einzug der Landesbischöfin Ilse Junkermann in die Kirche begleiten konnte. Sieben Jahre nach dem Weihnachtsfest 2005, zu dem die Glocken im Südturm erstmals geläutet werden konnten, ist an diesem Weihnachtsfest auch die große Festtagsglocke im Nordturm wieder dabei. „Alpha est et O" darf in diesem Jahr noch fröhlicher gesungen werden.


Dies, sehr verehrte Freunde und Förderer der Stephani-Kirche Osterwieck
und ihrer Kirchengemeinde,
sehr verehrte Mitglieder des Kirchbauvereins,
ist zunächst auch der Anlass, Ihnen allen für die im vergangenen Jahr dem Kirchbauverein zugedachten Spenden herzlich zu danken.
Denn nur dadurch war es möglich, dass sich der Verein mit 9.855 € an den Kosten für die Renovierung des Glockenstuhls und der heute elektrischen Läuteanlage im Nordturm in Höhe von 16.000 € beteiligen konn-te, wobei der Zuschuss aus Halberstadt in Höhe von 5.500 € aus dem Baulastenfond ohnehin aus den Mitteln stammt, die der Kirchenkreis z. B. aus Verpachtungen anstelle der Kirchengemeinden selbst einnimmt. Im Jahr 1913 kam der dreißigprozentige Zuschuss als Königlich-Preußische Patronatsleistung dagegen aus der Staatskasse.

Deshalb ist es nur ›recht und billig‹, wenn die Kirchengemeinde wie für die Renovierung der Turmfront auch für die „jetzt nur noch" ausstehende Renovierung des Mauerwerks des Kirchenschiffs in Höhe von 279.000 € Anträge um Förderung u. a. auch beim Bund und dem Land Sachsen-Anhalt gestellt hat. Wenn auch nur die Hälfte der beantragten Summe bewilligt worden ist, sind wir doch dankbar, dass neben der ›Stiftung Deutscher Denkmalschutz‹ das Kulturstaatsministerium aus dem Denkmalschutzprogramm II 40.000 € bereits fest zugesagt hat. Weitere Bemühungen und auch einige Zeit werden erforderlich sein, die Finanzierung für diese letzte „jetzt nur noch" notwendige Baumaßnahme endgültig zu sichern. Dabei sind sich alle - Kirchengemeinde, Orts- und Einheitsgemeinde, sowie die Maßgeblichen in Kreis und Land - ei-nig, dass die Stephanikirche zur 500Jahrfeier der Reformation wiederhergestellt sein muss.

Ist doch Osterwieck wegen seiner Hausinschriften aus der Reformationszeit, darunter drei der frühesten derzeit nachweisbaren, nicht nur die ›Stadt der Reformation an der Straße der Romanik Sachsen-Anhalts‹. Außer dem ›Weltkulturerbe Domschatz‹ in Halberstadt erinnern nur noch die Baudenkmale Osterwiecks - das frühprotestantische Kirchschiff von St. Stephani und 138 Fachwerkhäuser aus der Zeit vor dem dreißig-jährigen Krieg - an den von Toleranz und politischer Pragmatik geprägten ganz besonderen Verlauf der Reformation im Fürstbistum Halberstadt. Denn Osterwieck ist das einzige erhalten gebliebene städtebauliche Flächendenkmal aus dieser Zeit. Dies ist Herausforderung und Rückenwind zugleich auf der letzten Etappe des Weges, auf dem wir seit 1989/90 für die Restaurierung der Kirche St. Stephani unterwegs sind, bleiben Sie bitte auch deshalb an unserer Seite, mit Mitgliedsbeiträgen und Spenden.

Dass solche Beharrlichkeit belohnt wird, durften wir im ablaufenden Jahr erneut erleben. Getreu ihrer Absicht, die im Ausbreitungsgebiet der ›Braunschweiger Zeitung‹ beheimaten Mitglieder des Kirchbauvereins zu unterstützen, konnte mit Hilfe der ›Hans und Helga Eckensberger-Stiftung‹ die Restaurierung des Altartriptychons abgeschlossen werden. Für notwendige Ergänzungsarbeiten, deren Möglichkeit und Wünschbarkeit sich erst während dieser Restaurierungsarbeiten herausgestellt haben, hat der Vorstand der Stiftung im November 2012 nochmals 3000 € bewilligt. Wir danken sehr herzlich dafür und freuen uns schon jetzt darauf, dass der Altar und damit auch das Verdienst der Braunschweiger Stiftung im Fernsehgottesdienst am 1. Osterfeiertag eine besondere Würdigung erfahren werden, wenn an diesem Festtag wie seit einigen Jahren wieder üblich, im Gottesdienst die Passionsseite des Altars geschlossen und die Festtagsseite geöffnet werden wird. Schon vor dieser nunmehr 13. Fördermaßnahme seit 1995 war die Eckensberger-Stiftung für St. Stephani zu einem Kirchenpatron neuer Art geworden.

Die vielbeachtete Fotoausstellung, die in den ersten fünf Monaten dieses Jahres der in Magdeburg gegosse-nen Bronzetür von Plock/Nowgorod, einem der größten Kunstwerke der Romanik, gewidmet war, zielte gewissermaßen bereits auf das Jubiläum des 20jährigen Bestehens der ›Straße der Romanik‹ im Jahr 2013.

Das Epochenfest ›Mit Luther in die Neue Zeit‹ im Mai war ein weiterer Höhepunkt des nunmehr ablau-fenden Jahres. Es wurde in St. Stephani am Himmelfahrtstag eingeleitet mit einer geradezu maßstäblichen Aufführung von Händels ›Messias‹ durch die Leipziger Kantorei unter Gotthold Schwarz, am folgenden Samstag fortgesetzt mit dem Eröffnungskonzert der 10. Romaniktour des Rossiniquartetts und endete am Sonntag mit einem Festgottesdienst, in dem die Landesbischöfin Ilse Junkermann die Predigt hielt und dem sich nachmittags ein Festkonzert des Kreisposaunentages anschloss. Das Treffen der ›Chöre auf dem Kö-nigsweg‹ und mannigfache vielbesuchte Ereignisse rund um die Kirche und auf dem Markt machten das Fest insgesamt zu einer gelungenen und eindrucksvollen Repräsentation der Kulturinitiative und des Vereins ›Kulturland Osterwieck‹ im Zeichen der ›Lutherdekade‹. Dieser ist auch eine Ausstellung des Städt. Muse-ums Halberstadt gewidmet, die die Lebensgeschichte Luthers und Reformationsgeschichte in Zinnfiguren-Dioramen zeigt, sie wird schon ab Dezember 2012 in St. Stephani zu sehen sein.

Für das nächste Jahr hat Frau Kantorin Eichner wieder das beiliegende anspruchsvolle und abwechslungsrei-che Musikprogramm zusammengestellt, aus dem hier nur auf das am Sonntag, 6. Januar 2013 um 16.00 Uhr stattfindende Neujahrskonzert ›Von BACH zu BACH - Motetten der Bachfamilie‹ mit der Leipziger Kan-torei unter Gotthold Schwarz hingewiesen sein soll. Eintritt: 18,- € / erm.: 15,- €. Die Karten dafür sind jetzt schon erhältlich. Wer die unvergessliche Aufführung des Messias am Himmelfahrtstag miterlebt hat, wird sich dies Konzert sicher nicht entgehen lassen.


Wenn Sie die Weihnachtsfeiertage und der Jahreswechsel nicht schon vorher nach Osterwieck führen sollten, wünschen wir Ihnen bis dahin ein gesegnetes Weihnachtsfest und alles Gute für das neue Jahr - es ist das 24. Jahr, seitdem unser Verein besteht!
 

 Peter Werner Dr. Klaus Thiele Pfarrer Stephan Eichner

Jahresend-Termine in St. Stephani:
16.12. 17.00 Musik zur Weihnacht, 24.12. 18.00 Christvesper, 26.12. 10.00 Gottesdienst, 17.00 Turmblasen, 31.12. 17.00 Abendmahlsgottesdienst

Spendenkonten: Volksbank Börßum-Hornburg BLZ 270 622 90 Kto.-Nr. 60 100 400
Volksbank Wolfenbüttel BLZ 270 925 55 Kto.-Nr. 0105 048 600

 

 

 

 Weihnachtsbrief 2011

 

                                                                

 

Osterwieck und Wolfenbüttel, im Advent 2011

 Wie alljährlich an einem der stillen Tage zwischen dem Ende des alten und dem Beginn des neuen Kirchenjahres verfasst, ist das Schreiben an Sie,

 

sehr verehrte Freunde und Förderer der St. Stephani-Kirche Osterwieck

und ihrer Kirchengemeinde,

sehr verehrte Mitglieder des Kirchbauvereins

 

Rückschau und Vorausschau.

In geradezu symbolhafter Weise waren im November dieses Jahres das ehrende Gedächtnis mit Ereignissen verbunden, die Anlass zu großer Freude waren.

 

Am selben Tage, als wir in Osterwieck den Ehrenbürger und Ortschronisten der Stadt, Theo Gille zur letzten Ruhe begleiteten, kehrten die Büsten der sieben Heiligen – im März 2011 waren sie auf dem Buchumschlag und Einbanddeckel des repräsentativen Bildbandes ›Kulturgeschichten aus Sachsen-Anhalt‹ nahezu in Lebensgröße zu den ›Gesichtern des Landes‹ geworden – aus der Werkstatt der Restauratoren Dörte Busch und Dirk Jacob in die Predella des Altars von St. Stephani zurück. Während die Heiligenfiguren allein durch Reinigung und Ausbesserung beschädigter Teile in hervorragender Weise restauriert werden konnten, hatten es die Restauratoren gewagt, am Schrein der Predella eine im 19. Jahrhundert angebrachte Übermalung abzutragen. Ein gut erhaltenes, zauberhaft schönes, originales spätgotisches Rankenwerk von Blättern und Blüten war der Lohn der Mühen. Die Präsentation ihrer Arbeit wurde zu einer kleinen morgendlichen Feierstunde im Chorraum von St. Stephani, vielstimmiger Dank ging ebenso an die wiederherstellenden Künstler wie an die Stifter, die erst diese Maßnahme möglich gemacht hatten: die Hans und Helga Eckensberger-Stiftung Braunschweig, vertreten durch Heinrich Blankenagel und Manfred Schnell. Umso größer war die Freude darüber, dass nur vier Tage danach das Stiftungs-Kuratorium beschloss, auch die Restaurierung der Festtags- und Passionsseite des Altars mit weiteren 13.200 € zu fördern. Damit hat die Stiftung einen der schönsten, größten und bedeutendsten Altäre Sachsen-Anhalts für unsere und spätere Generationen erhalten und gesichert.

Am Anfang hatte 2009 die statische und funktionelle Sicherung des Altarschreins und seiner Flügel gestanden. Nach der Restaurierung der Predella in diesem Jahr dürfen wir uns darauf freuen, dass auch die Arbeiten an der Festtags- und Passionsseite des Altars noch im Sommer nächsten Jahres abgeschlossen sein werden. Ausständig ist dann nur noch die Rückseite des Mittelschreins mit einem vermutlich nicht einmal ursprünglichen Rankenwerk und der problematische Zustand, in dem sich die beiden Flügelseiten des Retabels befinden, die zu sehen sind, wenn man den Altar ganz schließen würde. Obwohl schon vor 1847 mit grauer Farbe übermalt, kann man darunter eine weihnachtliche Anbetung durch die drei Könige erkennen. Die sehr arbeitsaufwendige und entsprechend kostspielige Restaurierung dieser beiden Flügel sollte dennoch ermöglicht werden, um den Altar insgesamt wieder mit seiner liturgischen Vielfalt nutzen zu können.

Die Zuwendung, die St. Stephani durch die Eckensberger-Stiftung erfahren hat, ist einer der Glücksfälle der Restaurierungsgeschichte der Kirche nach 1989. Das Geläut der Glocken auf dem Südturm, der Zugang dorthin und die Ertüchtigung des Glockenstuhls, vier wiederhergestellte Türen aus Eichenholz, das restaurierte Steinmetzkunstwerk der Brautpforte, die Orgel und der Altar, die statisch gesicherten Emporen, eines der Kirchenfenster, die überaus gelungene Ausleuchtung der Kirche durch 24 handgeschmiedete Leuchter, das restaurierte Epitaph des Bartold von Rössing und das Himmelsleitergemälde sind bleibende Zeugen des Wirkens der Braunschweiger Stiftung. Mit fast 268.000 € hat sie seit 1995 die Bemühungen der im Ausbreitungsgebiet der Braunschweiger Zeitung beheimateten Mitglieder des Kirchbauvereins unterstützt. Dies ist für uns immer eine hohe Verpflichtung gewesen, und Ihre Spendentätigkeit, sehr verehrte Freunde der Stephanikirche und Mitglieder des Kirchbauvereins, war eine der Voraussetzungen dafür, dass uns die Stiftung in diesem Ausmaß gefördert hat.

 

Deshalb können wir mit großem Dank auch diesem Rundschreiben wieder zahlreiche Spendenbescheinigungen beilegen. Wenn wir auch in diesem Jahr – schon wegen der von der Post verlangten Identität der ausgesendeten Briefe – jedem Brief einen Überweisungsträger beilegen, so ist das mit der Bitte verbunden, dass Sie auch im 23. Jahr unserem Verein mit Mitgliedsbeiträgen und Spenden treu bleiben. Wir alle sind ebenfalls um diese 23 Jahre älter geworden und immer größer ist die Zahl derer, die nicht mehr unter uns sind. Ihrer sei hier ehrend gedacht.

 

Anfang November fiel auch das Baugerüst vor der romanischen Turmfront. Überwältigend und neu war die Sicht auf vermeintlich Altbekanntes: durch Abtragung des in neun Jahrhunderten angewachsenen Bodenniveaus wurde nicht nur der Sockel der Turmfront freigelegt, besonders eindrucksvoll ist, dass das Wandfeld und die Archivolte, die das Portal umgeben, wieder Sockel und Basen bekommen haben.

Und es war wiederum geradezu symbolhaft, dass in der Woche, in der der Steinrestaurator am Portal der Turmfront die letzten Steinfugen nicht mehr versorgen konnte, da Minusgrade weitere Arbeiten ausschlossen, dass gerade in diesen Tagen Herr Prof. Dr. Gottfried Kiesow, der sich anlässlich seines vermutlich letzten Osterwiecker Aufenthalts im August 2005 dafür eingesetzt hatte, mit der Mauerwerkssanierung unverzüglich zu beginnen, zuletzt von schwerer Krankheit gezeichnet, von uns ging. Mehrfach hat er mit Reisegruppen vor der von ihm so sehr geschätzten Osterwiecker Turmfront gestanden, und es gehört zu unseren bleibenden Erinnerungen, dass wir dabei waren, als er nach gerade abgeschlossener Innenrestaurierung im Jahr 1996 wiederum mit einer Gruppe, der auch seine Gattin angehörte, tief beeindruckt war von der auch für ihn neu entstandenen Schönheit der lichten spätgotischen Langschiffhalle. Wegen dieses einmaligen Zusammenklangs der Turmfront-Romanik mit dem frühprotestantisch ausgestatteten, von der Renaissance durchwehten, spätgotischen Kirchenraumes hat er dann später im August 2005 St. Stephani als „eine Rarität“ unter den Kirchen bezeichnet. Nun ist, durch sein damaliges Votum angestoßen, die Turmfront zwar erkennbar von neun Jahrhunderten gezeichnet, dennoch wie neu entstanden.

Uns hat er das Vermächtnis hinterlassen, auch außen die Harmonie von Romanik und Spätgotik durch die Restaurierung des Mauerwerks des Kirchenschiffs wiederherzustellen. Um die Brautpforte herum ist Dank der Eckensberger-Stiftung, eines privaten Großspenders und der Stiftung der Niedersächsischen Volks-und Raiffeisenbanken 2007 schon der Anfang gemacht worden. Der Stadt Osterwieck sind wir dankbar, dass sie nach Abschluss der Bauarbeiten sofort den Stephanikirchhof von der Schulzenstraße bis zum Westportal der Turmfront in mustergültiger Weise gepflastert hat. An der Südseite wird dies erst dann möglich sein, wenn auch die Bauarbeiten am Kirchenschiff abgeschlossen sein werden. Wir sehen uns – nicht zuletzt im Gedenken an den großen Denkmalpfleger – in der Pflicht, dieses Ziel bis zur 500-Jahrfeier der Reformation im Jahr 2017 zu verwirklichen. Osterwieck könnte dadurch zu einem Magnet für den Tourismus auf der ›Straße der Romanik‹ und der ›Lutherdekade‹ in diesem Winkel des Harzkreises und Sachsen-Anhalts werden.

Die Kirchengemeinde, der Kirchbauverein und Pfarrer Stephan Eichner haben, so wie es auf der Mitgliederversammlung zu Beginn dieses Jahres beschlossen wurde, die romanische Turmfront durch Einrichtung eines ›Raumes der Stille‹ im unteren Geschoss des Nordturmes gewürdigt. Ursprünglich als liturgische Kapelle erbaut, wird dieser ehrwürdige Ort nun wieder kirchlich genutzt werden können. Im entsprechenden Bereich des Südturms, in dem nach Abbruch des Deckengewölbes um 1830 der Aufstieg in die Türme beginnt, ist das nicht mehr möglich. Dennoch würde es ein geeigneter Ort sein, die Fragmente dreier noch immer der Verwitterung ausgesetzter Grabsteine in der Kirche vor weiterer Zerstörung zu schützen. Sie wurden bei der Erneuerung des Fußbodens aufgefunden und sind wichtige Monumente für die Stadt- und Kirchengeschichte.

 

Von den Reisengruppen, die wir auch in diesem Jahr in der Kirche begrüßen konnten, sei die einer Bonner Kirchengemeinde unter Leitung eines Vorstandsmitgliedes der ›Deutschen Stiftung Denkmalschutz‹, des ›Heimatvereins der Lutherstadt Wittenberg‹, angeführt vom Kirchmeister der Marienkirche, Bernhard Naumann, des Fördervereins des ›Kunsthistorischen Museums der Stadt Wien‹ und der interessierte Kreis derer besonders genannt, die im Anschluss an das Symposium am 5. November von Pfarrer Stephan Eichner und Kantorin Kirsten Eichner durch die Kirche geführt und im Gemeinderaum bewirtet worden sind. Ein besonderer Höhepunkt und Auftakt für das vom 18. bis 20. Mai 2012 in intensiver Vorbereitung befindliche ›Reformations-Epochenfest‹ war das festliche ›LutherMahl‹ in der Stephanikirche.

 

Die neu entstandene Turmfront – der Raum der Stille – die restaurierte Predella sind Gründe genug, um St. Stephani einmal wieder zu besuchen. Auch in der Stadt hat sich einiges getan. Auf den Verein ›Kulturland Osterwieck‹ und seine ersten Erfolge, das Stadtinfo und die Informationstafeln im Schling, konnten wir schon im letzten Rundschreiben hinweisen. Inzwischen wurden Stadtführer(innen) ausgebildet, in der Mittelstraße etablierte sich ein von Gästen und Einheimischen gut angenommenes Café, in noch leer stehenden Häusern sind zumindest die Schaufenster durch einige attraktive Auslagen belebt und Straßenfeste wurden veranstaltet. In diesen Tagen werden die ersten, nach den Richtlinien des Landesdenkmalamtes für die Baudenkmale der Stadt erarbeiteten Tafeln an 120 Häusern angebracht, Anfang nächsten Jahres wird dazu ein ca. 40seitiges bebildertes Begleitheft mit zwei darin empfohlenen Standrundgänge erscheinen.

 

Gotthold Schwarz und das BACH CONSORT Leipzig sind seit dem ersten Neujahrskonzert 2004 alljährlich Anfang Januar, mitunter auch öfter im Jahr, von ihren Zuhörern gefeierte Gäste gewesen. Im Mai des vergangenen Jahres gaben Gotthold Schwarz und Matthias Eisenberg an der Orgel darüber hinaus ein Benefizkonzert für St. Stephani. Denn nach wie vor gibt es Wichtiges in der Kirche wiederherzustellen. Das mehrtägige, der Reformation und Martin Luther gewidmete Fest vom 18. bis 20. Mai im nächsten Jahr und die damit verbundenen Veranstaltungen, insbesondere aber den Festgottesdienst mit der Predigt von Landesbischöfin Ilse Junkermann am 20. Mai um 10.00 Uhr möchten Pfarrer Eichner und die Kirchengemeinde mit der großen Glocke im Nordturm einläuten. Ob dies möglich sein wird, wird davon abhängen, wie umfangreich die am Glockenstuhl und an der Aufhängung der Glocke erforderlichen Reparaturarbeiten sein werden. Dafür möchten wir in diesem Jahr Ihre Spenden erbitten.

 

Das beiliegende Konzertprogramm mit der Fassade der Türme lässt die Freude und den Stolz erkennen, den der Abschluss der Turmfrontrenovierung in Osterwieck ausgelöst har. Noch vor den Konzert-Veranstaltungen im Rahmen des Lutherfestes – für das Frau Landesbischöfin Ilse Junkermann und Herr Ministerpräsident Dr. Rainer Haseloff die Schirmherrschaft übernommen haben – sei besonders auf die Konzerte im Januar und Februar hingewiesen.

Die ›Musikalische Stunde zum Passionsaltar‹ am 26. Februar um 16.00 Uhr ist mit der Eröffnung der Ausstellung ›Porta Fidei – Tor des Glaubens – die Kirchentür aus Płock in Nowgorod‹ verbunden. Wie die Bronzegusstür in Hildesheim gehört diese in der Magdeburger Gusshütte 1152/54 unter Erzbischof Wichmann für die Kathedrale in Płock (Polen) gegossene Tür, die sich seit dem 15. Jahrhundert in Nowgorod (Russland) befindet, zu den bedeutendsten Bronzeguss-Kunstwerken der europäischen Romanik. Sie entstand in Magdeburg in den Jahren, von denen wir annehmen, dass die Turmfront von St. Stephani gerade vollendet war.

Herr Prof. Dr. Richard Knapinski von der katholischen Universität Johannis Paul II. in Lublin, der schon im März 2007 mit einer Studentengruppe auch Osterwieck besucht und in St. Stephani einen Vortrag über das ›Credo in der europäischen Kunst‹ gehalten hatte, hat im Vorjahr erstmals von dieser Tür sehr gute Fotografien erarbeitet. Sie ermöglichten die Herstellung großformatiger Drucke von hoher Qualität, von denen 60 bisher in Lublin, Krakau und Bielefeld, der Partnerstadt Nowgorods, großes Aufsehen erregten. Weitere Ausstellungen sind nach Osterwieck schon in Berlin und Moskau vorgesehen. Wir sind dankbar, dass wir die Bilder ab 26. Februar zumindest bis zum Sonntag nach Ostern in St. Stephani zeigen können. Die ›Straße der Romanik‹ Sachsen-Anhalts wurde 1993 gegründet. Würdiger als mit einer Ausstellung über die ›Porta Fidei für Płock aus Magdeburg‹ kann St. Stephani als westlichstes Tor der ›Straße der Romanik‹ das 20. Jahr dieser erfolgreichen Fremdenverkehrsroute nicht begehen.

Wenn Sie nicht die Weihnachtsfeiertage oder der Jahreswechsel schon vorher nach Osterwieck führen, hoffen wir, Sie am Sonntag, den 8. Januar um 16.00 Uhr wieder beim Neujahrskonzert des BACH CONSORT Leipzig unter Gotthold Schwarz mit Kantaten zum Weihnachtsfestkreis von J. S. Bach und G. Ph. Telemann begrüßen zu können.

 

Wir wünschen Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein gutes neues Jahr!

 

Pfarrer Stephan Eichner, Peter Werner, Dr. Klaus Thiele

 

                   

                        

 

 

 

 

 

Weihnachtsbrief 2010

Osterwieck und Wolfenbüttel, zum 1. Advent 2010

Sehr verehrte Freunde und Förderer der St. Stephanikirche-Osterwieck und ihrer Kirchengemeinde, sehr verehrte Mitglieder des Kirchbauvereins!

 

 

 

 

Nicht nur vorweihnachtlichen Glanz aus St. Stephani will die „Festtagsseite" des Mariensegnungsaltars auch in Ihr Haus bringen – am Ende eines in Osterwieck in vieler Hinsicht ereignisreich abgelaufenen Jahres ist damit auch die gute Nachricht verbunden, dass nach der zunächst statischen und funktionellen Sicherung des Altars zu Beginn des Jahres 2009 das Kuratorium der Hans und Helga Eckensberger-Stiftung in Braunschweig soeben beschlossen hat, die Fortsetzung der Restaurierung dieses Altars mit einem Förderbetrag in Höhe 16.000 € zu ermöglichen.

 

Für diesen Betrag wird zunächst die Predella – das ist der kastenförmige, auf dem steinernen Altartisch stehende Untersatz des in Osterwieck sogar dreimal wandelbaren spätgotischen Altarschreins – restauriert werden. Zu beiden Seiten Mariens mit dem Kind stehen darin vollplastische Büsten von je drei gekrönten weiblichen Heiligen. Ihre Gesichter, ebenso schlicht wie gekonnt ausgeführt, strahlen Hoheit und Zuwendung zugleich aus, eine Botschaft, die auch in unserer Zeit so sehr beeindruckt, dass sicher mehr als tausend Fotos in den letzten zwei Jahrzehnten zur Erinnerung an einen Besuch in der Kirche immer wieder und gern mitgenommen worden sind.

 

Die Tatsache, dass die Eckensberger-Stiftung damit den Anstoß für die so notwendige eigentliche Restaurierung des Altars gegeben hat, ist erneut Anlass, dem Stiftungs-Kuratorium auch in Ihrem Namen, sehr verehrte Mitglieder des Kirchbauvereins, unseren Dank auszusprechen. Denn seit nunmehr 16 Jahren ist es das erklärte Ziel dieser Stiftung, den Kirchbauverein und seine Mitglieder aus dem Wolfenbüttel/Braunschweiger Raum bei der noch im Wendejahr 1989/90 begonnenen Restaurierung der an der Grenze Sachsen-Anhalts gelegenen einmalig schönen Osterwiecker Stadtkirche zu unterstützen. Die inzwischen lange Liste der von der Stiftung geförderten Maßnahmen in der Kirche, das Stiftungs-Logo außen am Sockel neben der Brautpforte und die seit dem 16. Jahrhundert erstmalige Anbringung ihres Logos auch in einem der Arkadenbögen des Kirchenschiffs legen Zeugnis ab von der treuen Verbundenheit des Stiftungsvorstands mit der Kirche St. Stephani.

 

Eine Verbundenheit, die für den Kirchbauverein immer eine Verpflichtung war und ist und der zu entsprechen, uns allein Ihre Spenden, verehrte Mitglieder, im letzten Jahr es wiederum ermöglicht haben. Wenn auch, nicht aus Wettergründen, die Turmfrontsanierung in diesem Jahr kurz vor ihrer Vollendung wider Erwarten aus von Osterwiecker Seite nicht zu vertretenden Gründen abgebrochen werden musste und deshalb die dafür bereitstehenden beträchtlichen Finanzierungszusagen des Kirchbauvereins noch nicht abgeflossen sind, ist der Verein dennoch nur dank Ihrer Spenden in der Lage gewesen, sich die Kosten für die mit der Altarrestaurierung verbundenen Voruntersuchungen in Höhe von 4200 € mit einer kirchlichen Stiftung zu teilen. Dafür sind die Kirchengemeinde und der Kirchbauverein der Kirchenstiftung wie auch Ihnen, sehr verehrte Mitglieder und Freunde von St. Stephani, sehr dankbar. Denn erst nachdem die Ergebnisse dieser Voruntersuchungen vorlagen, konnten und durften die für den Denkmalschutz Zuständigen auf Kreis- und Landesebenen und in der kirchlichen Verwaltung die Genehmigung zur Restaurierung der Predella erteilen. Dass die mit einem Kunstwerk dieser Bedeutung verbundenen Genehmigungsprozesse und Beratungsrunden in dankbar empfundenem sehr gutem Einvernehmen verliefen, ist eine Tatsache, die der weiteren Restaurierung des Altarretabels selbst sicher förderlich sein wird.

 

Für den weiteren Fortgang der Restaurierung, die sich schon aus finanziellen Gründen über längere Zeit hinziehen wird, gilt das, was wir schon für das jetzt zu Ende gehende Jahr angekündigt hatten. Erst die gerade abgeschlossene Voruntersuchung und die bei der Restaurierung der Predalla neu gewonnenen Erfahrungen werden konkrete Kostenvoranschläge für größere Teile des Altars oder ganze Arbeitsgänge, aber auch für kleinere Anteile, wie z.B. Schnitzfiguren, ermöglichen, mit denen wir dann mit der Bitte um Unterstützung oder Übernahme der Kosten an einzelne Stifter und Stiftungen herantreten können. Denn nur wenn die Altarrestaurierung zu einem Gemeinschaftswerk vieler – großer und kleiner Sponsoren – wird, dürfte sie überhaupt finanzierbar sein. Wenn auch einzelne Figuren vielleicht in eine Werkstatt gebracht werden können, wird der Altar im Ganzen auf jeden Fall immer in der Kirche bleiben – so oder so hat jeder, der die Kosten für eine einzelne Maßnahme oder auch nur eine Figur übernehmen möchte, die Möglichkeit, sich vom Fortgang der Arbeiten zu überzeugen. Schon nach unserem Hinweis im Vorjahr haben sich bei Herrn Pfarrer Eichner Stifter für einzelne Schnitzfiguren des Altars gemeldet. Eigentlich gibt es nichts Lohnenderes und Schöneres, als sich so an der Wiederherstellung eines der schönsten und bedeutendsten Altäre beteiligen zu können.

 

Der Kirchbauverein möchte das natürlich auch. Das macht uns Mut, Sie, sehr verehrte Freunde der Kirche und Mitglieder des Vereins, anlässlich dieses Weihnachtsfestes und Jahreswechsels ganz besonders um Spenden zu bitten. Schon im Jahr 1990 hat uns dieser Altar mit seinem in unserer näheren und weiteren Heimat ungewohnt vorreformatorisch goldenem Glanz der Festtagsseite, der Farbigkeit seiner Passionsbilder und dem Geheimnis der im 19. Jahrhundert übermalten

„Anbetung der Drei Könige“ auf der Rückseite der Seitenflügel als verehrungswürdiges Erbe aus einer lange zurückliegenden und fernen Zeit in seinen Bann gezogen.

„Ein jegliches hat seine Zeit“: „Bauen hatte seine Zeit“ am Dach, an den Türmen, an der Brautpforte und am Glockenstuhl, „Steine sammeln hatte seine Zeit“ am Fußboden, selbst „Streiten hatte seine Zeit“ um die von Gustedt’sche Prieche. Für den Altar ist die von vielen seit 1990 immer wieder angemahnte „Zeit des Heilens“ jetzt gekommen! Gewiss sind wir seit 1990 immer weniger und alle älter geworden. Jeder Blick in die Mitgliederliste mahnt zu Erinnerung und dankbarem Gedenken an die vielen, die nicht mehr unter uns weilen. Für uns alle gilt die Inschrift des Hauses in Goslar, Jacobistr. 7 von 1568: „VELIMUS – NOLIMUS – SENESCIMUS“ – Wir mögen wollen oder nicht wollen, wir werden alt – und ebenso das diesem Vorangesetzte: „DEVS OMNIA PROVIDEBIT – QUI CREDIT HABEBIT“ – Gott wird für alles sorgen, wer glaubt wird besitzen – wobei sich das „HABEBIT“ sicher nicht auf irdische Güter bezieht!

In diesem Sinne bleiben Sie uns bitte treu, mit Mitgliedsbeiträgen und Spenden, kleinen und großen. Die „Zeit dazu“ ist eigentlich immer da!

 

Wie in diesem Jahr für den Altar standen und stehen für den Kirchbauverein die Bemühungen um St. Stephani immer im Vordergrund. Die damit verbundene Öffentlichkeitsarbeit und die Publikationen zur reformations-, kunst- und regionalgeschichtlichen Bedeutung der Kirche führten aber auch zu der neuen Sicht, dass sich in Osterwieck so wie in keiner anderen Fachwerkstadt Sachsen-Anhalts die Auswirkungen der Reformation an den Häusern nachweisen lassen. Nicht zuletzt wegen dieser auch für die denkmalpflegerischen Belange der Stadt wesentlichen Erkenntnis wurden die zwanzig Jahre andauernden Bemühungen um St. Stephani auf Initiative des Landrates des Harzkreises Dr. Michael Ermrich von der Deutsche Nationalstiftung Denkmalschutz vor einem Jahr mit der „Silbernen Halbkugel“, einer ihrer höchsten Auszeichnungen, gewürdigt.

 

Fast zeitlich parallel kam es durch eine Gemeindereform in Sachsen-Anhalt zur Bildung der großen „Einheitsgemeinde Stadt Osterwieck“, in der die Städte Osterwieck und Dardesheim zwar ihren Charakter als Städte verloren, die „Stadt Osterwieck“ aber im Namen der großen Einheitsgemeinde erhalten blieb. Erfreulich war, dass die guten persönlichen Beziehungen, die sich durch Jahre zum jetzt „nur noch“ Ortsbürgermeister Ulrich Simons entwickelt hatten, in einer ebenso persönlichen Zuwendung der Bürgermeisterin der neuen Einheitsgemeinde Ingeborg Wagenführ eine Fortsetzung erfuhren. Der Kirchbauverein hat mit beiden, Herrn Simons und Frau Wagenführ und seinem Vorsitzenden Peter Werner als stellvertretendem Ortsbürgermeister von Osterwieck nunmehr drei verlässliche ihm freundlich zugewandte kommunale Standbeine.

 

 

Frau Wagenführ hat gleich nach ihrem Amtsantritt mit dem ihr durch die Gemeindereform zugewachsenem Gewicht der größeren Einwohnerzahl eine Initiative auf den Weg gebracht, die die bisher zu wenig beachtete Osterwiecker Region des Harzkreises wirtschaftlich und kulturtouristisch voranbringen soll. Unter gleichberechtigter Würdigung des großen kulturhistorischen Landschaftserbes – Schloss Hessen, die Wasserburg Zilly und Dardesheim seien nur als Schwerpunkte genannt – wird im „Kulturland Osterwieck“ „Osterwieck als Fachwerkstadt der Reformation“ bei den auf die „Luther-Dekade mit Höhepunkt im Jahr 2017“ ausgerichteten Planungen eine große Rolle spielen. In der von einer Fremdenverkehrsexpertin aus Magdeburg angeleiteten Arbeitsgruppe wirken die Kirchbauvereinsvorsitzenden und auch das Ehepaar Eichner konzeptionell intensiv mit. Erste Erfolge sind augenfällig und aufzählbar. In einem vormals leer stehenden Fachwerkhaus am Markt wurde am 23. 10. ein attraktives Fremdenverkehrs-Informationszentrum eröffnet, die Minister Dr. Reiner Haseloff (Wirtschaft und Arbeit) und Frau Prof. Dr. Birgitta Wolff (Kultur) besuchten vor kurzem die Stadt und Kirche und am 23.11. hat Herr Minister Dr. Karl-Heinz Daehre (Landesentwicklung und Verkehr) im Schling, das ist der Durchgang vom Stephanikirchhof zum Markt, einen repräsentativen Informationstafel-Standort für die „Stadtrundgänge auf den Spuren der Reformation“ und zum noch zu erarbeitenden „Fachwerklehrpfad“ eingeweiht. Im Jahr 2012 ist ein auf die Dekade der Reformation ausgerichtetes Stadtfest geplant, dem im November nächsten Jahres ein eintägiges wissenschaftliches Symposium vorangehen soll.

 

Dass der „Bunte Hof“ von 1579, immer noch der größte Fachwerkbau der Stadt, als Pilotprojekt des Landesentwicklungs- und Verkehrsministeriums unter Leitung des Fachwerkzentrums Quedlinburg bis 2014 restauriert werden soll, ist neben der Restaurierung des Altars von St. Stephani die andere Weihnachtsüberraschung aus Osterwieck. Damit ist die Stadt dem anlässlich der Eröffnung der Hausinschriften-Ausstellung – sie ist auf der Empore der Kirche noch immer sehenswert – im September 2008 in St. Stephani geäußerten Anspruch, dass Kirche und Häuser der „Fachwerkstadt des Reformationsjahrhundert“ bis zur 500-Jahrfeier der Reformation 2017 wiederhergestellt sein sollten, ein gutes Stück näher gekommen. Auch am Anfang dieses Weges stand der Kirchbauverein mit seinem ersten Symposium im Mai 1991 unter dem Motto „Osterwieck und St. Stephani – die alte Fachwerkstadt und ihre Kirche – Sanierung hilft beiden“.

Auf diesem Weg hat uns seit vielen Jahren die Website www.st-stephani.de begleitet. Da sie immer schwer zu pflegen und zu aktualisieren war, haben wir erst in den letzten Wochen eine neue ständig aktuelle unter der Adresse http://stephanikirche.npage.de gestaltet.

 

Wie immer möchten wir aus dem Veranstaltungsprogramm des nächsten Jahres hinweisen auf das

Neujahrskonzert in St. Stephani am Sonntag, den 9. Januar 2011 um 16.00 Uhr

"Nun treten wir ins neue Jahr"

Selten aufgeführte Motetten und Kantaten der Bachfamilie für die Weihnachtszeit

mit dem BACH CONSORT LEIPZIG unter Gotthold Schwarz.

 

Bis dahin – wenn nicht schon vorher bei einem Wiedersehen in der Advents- und Weihnachtszeit –wünschen wir Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein gutes neues Jahr!

 

 

                           Peter Werner                                                          Dr. Klaus Thiele                                                                      Pfarrer Stephan Eichner

                                                                                                    

Jahresend-Termine in St. Stephani:

12.12. 17.00 Musik zur Weihnacht, 24.12. 18.00 Christvesper,  26.12. 10.00 Gottesdienst, 17.00 Turmblasen, 31.12. 17.00 Gottesdienst mit Abendmahl

 

                                               Spendenkonten: Volksbank Börßum-Hornburg      BLZ 270 622 90 Kto.-Nr.   60 100 400

                                                                              Volksbank Wolfenbüttel         BLZ 270 925 55 Kto.-Nr. 105 048 600

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Weihnachtsbrief 2009

 

 

 

 

 

 

 Osterwieck und Wolfenbüttel, zum 1. Advent 2009

 Sehr verehrte Freunde und Förderer der St. Stephani-Kirche Osterwieck und ihrer Kirchengemeinde,

 sehr verehrte Mitglieder des Kirchbauvereins!

 

Lobet den Herrn in seinem Heiligthum  Lobet Ihn in der Veste seiner Macht

Lobet Ihn mit Psalter und Harpffen  Lobet Ihn mit Paucken und Reigen

Lobet Ihn mit Seiten und Pfeiffen  Lobet Ihn mit hellen Cymbeln

 

Vor bald 400 Jahren wurden diese Worte aus dem 150. Psalm auf die Bodenschwelle unter den biblischen Bildern der südlichen Westempore von St. Stephani geschrieben. Sicher wollten die Stifter dieser Bilder – sie waren Bürgermeister, führende Ratsherren und, wie wir aus der „Akte Smalian“ wissen, auch Richter im „Peinlichen Halsgericht“ der Stadt – damit ihre Freude über die weihnachtliche Botschaft zum Ausdruck bringen, der sie diese Bilder gewidmet hatten. Aber im Jahr 1617, 100 Jahre nach der Reformation, klingt in diesen Worten ebenso Lob und Dank der Stadtobrigkeit für die konfessionelle und gesellschaftliche Wende mit, der Osterwieck mit dem Reformationsjahrhundert die bis heute beste Zeit, seine „Goldenen Jahre“ verdankt.

 

Was können wir Besseres tun, als den nunmehr 20. Weihnachtsbrief seit 1990 unter eben das gleiche Bibelwort zu stellen. Die beiden ersten, von Pastorin Angelika Göbel, Dr. Ulf Kapahnke und Peter Werner unterschriebenen Rundschreiben des Jahres 1990 erinnern uns an eine bis heute einzigartig gebliebene Zeit in unserem Leben, eine Zeit der Freude, des Hochgefühls und des Aufbruchs. Eine Zeit, die Veränderungen ermöglichte, die zu erleben, wir eigentlich nicht mehr gehofft hatten. Dabei werden für jeden andere, unterschiedliche Erfahrungen und Begegnungen wesentlich geworden sein. Der Gottesdienst am Grenzturm auf dem Kamm des Kleinen Fallsteins und das Konzert des Wolfenbütteler Kammerorchesters in St. Stephani im September dieses Jahres waren Stunden der Erinnerung an diese Monate. Vor allem wollen wir an diejenigen denken – und es sind inzwischen viele – die damals dabei waren und nicht mehr unter uns weilen. Auch ihrer sei mit Lob und Dank gedacht.

 

Und wenn im nächsten Jahr am Tage des Offenen Denkmals endlich die Turmfront von St. Stephani wieder frei von Gerüsten und Verhüllungen sein wird, werden wir – was auch der Einzelne in den vergangenen 20 Jahren erlebt haben mag – besonderen Grund haben, für die Kirche und die Zielsetzungen unseres seit 1990 bestehenden Vereins in den Lobgesang des 150. Psalms einzustimmen.

Lob und Dank gebührt auch denen, die sich seit zwei Jahrzehnten um diese Kirche verdient gemacht haben: Pastorin Angelika Göbel und Pastor Stephan Eichner als den Bauherren, der Osterwiecker Kirchengemeinde und ihren Vorständen, Claudia Strukmeier als Kassenwartin bis 2004 und Dr. Ulf Kapahnke, dem Gründungs-Vorsitzenden des Vereins von 1990-2004. Dankbar denken wir an die in 20 Jahren tätig gewesenen Handwerker und Architekten und diejenigen, die uns in kirchlichen und staatlichen Unteren und Oberen Denkmalbehörden beaufsichtigend – dass das nicht immer ohne Konflikte abgeht, haben wir auch erfahren – aber dennoch helfend und fördernd zur Seite standen.

  

Letztlich war es nur der Beharrlichkeit der Kirchengemeinde, ihrer Pfarrer, dem Kirchbauverein und Ihnen als treuen Mitgliedern zu verdanken, dass St. Stephani vor dem Schicksal einer bereits aufgegebenen Kirche bewahrt werden konnte – Osterwieck hatte 1989 ja mit der Nikolaikirche ein gerade renoviertes hinreichend großes würdiges Gotteshaus.

Ebenso sicher ist aber auch, dass dieses Ziel nur mit Unterstützung durch den Bund, die Länder Niedersachsen und Sachsen-Anhalt und Städtebauliche Denkmalschutzmittel der Stadt Osterwieck sowie Förderung durch die Deutsche Stiftung Denkmalsschutz, Lotto-Toto Sachsen-Anhalt und Stiftungen wie die Hans und Helga Eckensberger-Stiftung, die Oetker-Stiftung, die Kiba-Stiftung, die Stiftung der Niedersächsischen Volksbanken und Raiffeisenbanken und die Volksbank Börßum-Hornburg erreicht werden konnte.

Dabei kam dem Kirchbauverein eine ganz wesentliche Rolle zu, denn die Eigenmittel, die wir der Kirchengemeinde zur Verfügung stellen konnten, waren immer die Voraussetzung dafür, dass sich die Kirchengemeinde überhaupt mit Aussicht auf Erfolg um anderweitige Unterstützung bemühen konnte. Die dem Kirchbauverein von Ihnen, sehr verehrte Freunde, durch alle Jahre zugegangenen Mitgliedsbeiträge – denken Sie bitte immer daran – sowie die kleinen und großen Spenden waren und sind nach wie vor der Schlüssel dafür, dass die Bemühungen um St. Stephani zu einer 20jährigen Erfolgsgeschichte werden konnten.

 

Am Beispiel der jetzt noch immer in Gang befindlichen Turmfrontsanierung sei dies erläutert. Begonnen hat sie mit einer „Maßnahme 2006“, die wegen zuteilungsbedingter Verzögerungen erst Ende 2007 abgeschlossen werden konnte. Zu gleichen Verzögerungen kam es auch bei den „Maßnahmen 2007 und 2008“. Erst jetzt, Ende 2009 ist die Finanzierung aller Maßnahmen so weit gesichert, dass sie nacheinander nach Ablauf dieses Winters vom jetzt stehenden Gerüst aus bis Ende 2010 abgeschlossen werden können. Da sich inzwischen aber ebenfalls nur vom Gerüst aus sicher hat feststellen lassen, dass die Schieferdächer der Türme nicht komplett abgerissen und neu gedeckt, sondern nur repariert werden müssen, reicht die für alle Maßnahmen bewilligte, inzwischen umgewidmete Gesamtsumme von 520.000 € aus, bis Ende 2010 nicht nur das Mauerwerk der gesamten Turmfront sondern auch noch das der nördlichen Hauptschiffwand zu restaurieren.

Was das für planerische, höchst diplomatische Anforderungen an den Architekten Mario Kowalsky stellte, kann nur der beurteilen, der es drei Jahre hindurch verfolgt hat. Möglich war dies für die Kirchengemeinde und den Architekten aber letztlich nur, weil der Kirchbauverein mit 55.000 € mehr als 10% der Gesamtsumme zusagen konnte. Als wir dies alles so in Gegenwart von zwei Gebietsreferenten der Deutschen Stiftung Denkmalsschutz erst vor wenigen Wochen feststellen konnten, ging uns wiederum der Psalm 150 sehr durch den Kopf – und die Bemerkung, die die Gattin eines prominenten Vertreters der Deutschen Stiftung Denkmalschutz nach einem Besuch in St. Stephani spontan äußerte, in Osterwieck sehe man wenigstens, dass etwas und was mit den zur Verfügung gestellten Fördermitteln geschehe. Familie Eichner hat schon jetzt für den Abschluss der Turmrenovierung am Tag des Offenen Denkmals 2010 ein multimediales Turm-Lob-und-Dankfest mit Trompeten, Flöten und Orgel vorgesehen.

Der so augenscheinlich effektive Umgang mit den uns anvertrauten Mitteln macht uns auch in diesem Jahr wieder Mut, verehrte Freunde der Kirche und Mitglieder des Vereins, Sie im Weihnachtsrundschreiben wieder nicht nur um ihre Mitgliedsbeiträge – 200 mal 12,50 € sollten es in jedem Jahr  sein – sondern auch um darüber hinausgehende Spenden für St. Stephani zu bitten. Denn neue Herausforderungen werden auf uns zukommen.

 

Wenn auch im kommenden Jahr die Turmfrontsanierung planerisch wie finanziell alle Kapazitäten beanspruchen wird und eine Pause des Durchatmens für alle Beteiligten nur gut sein kann, sollen die weiter notwendigen Baumaßnahmen dennoch zumindest skizziert werden, zumal zu erwarten ist, dass nach dem Ende der Bauarbeiten an der Turmfront noch mehr Reisende auf der Straße der Romanik als bisher St. Stephani aufsuchen werden. Dabei geht es nicht nur um die Romanik sondern um die in Sachsen-Anhalt und Deutschland einmaligen Baudenkmale Osterwiecks aus dem Reformationsjahrhundert, unter denen das frühprotestantische Kirchenschiff der Stephanikirche einen besonderen Stellenwert hat. Im Hinblick auf die Luther-Dekade bis zum 500. Jahrestag der Reformation im Jahre 2017 ist deshalb nach Wiederherstellung der Nordseite des Kirchenschiffs auch die Renovierung seiner Südseite eine dringliche Aufgabe. Hier ist das weiterzuführen und zu vollenden, was schon 2007 am Wandabschnitt um die dank der Hans und Helga Eckensberger-Stiftung restaurierte Brautpforte herum richtungsweisend vorgegeben wurde. Denn die anderen heute noch so desolaten Pfeiler und Wandflächen sind nicht nur die den Einwohnern und Besuchern der Stadt zugewandte wenig einladende Eingangsseite sondern zugleich die Schauseite eines der ersten größeren protestantischen stadtkirchlichen Bauwerke in Deutschland überhaupt. Erst nach der Fertigstellung dieser noch vor der Reformation im Bistum Halberstadt von einer protestantischen Bürgerschaft neu errichteten spätgotischen Langschiffhalle konnte vor 450 Jahren die tief im Mittelalter verwurzelte Kirche St. Stephani Zentrum und Kraftquell lutherischer Glaubensstärke einer Stadt werden, in der „wie in keiner anderen in Sachsen-Anhalt die Sichtbarkeit und Nachvollziehbarkeit des Annehmens der Reformation durch die Stadtbürger ablesbar ist.“

 

Darauf hinzuweisen, war und ist das Ziel der auf der Nordempore der Kirche nach wie vor präsenten Foto-Ausstellung, in der die Kirchengemeinde und der Kirchbauverein schon im Jahr 2008 die in einzigartiger Weise lutherisch geprägten Hausinschriften der Stadt aus dem Reformationsjahrhundert veranschaulicht haben. Bis zum Ende dieses Jahres werden im Journal des Landesheimatbundes Sachsen-Anhalt drei dieser Thematik gewidmete Beiträge erschienen sein. Eine weitere Veröffentlichung dazu ist im „Neuen Familienkundlichen Abend“ 2009 des Gleimhauses, Halberstadt in Vorbereitung. Nach den „Harz-Forschungen 21“ des Jahres 2005 wird Anfang 2010 in dieser Reihe des „Harz-Vereins für Geschichte und Altertumskunde“ ein zweiter Band über Osterwieck unter dem Titel „Osterwieck – als Fachwerkstadt des Reformationsjahrhunderts und die Prozessakte Brand Smalian aus dem Jahr 1614“ erscheinen. Der erste Beitrag wird neben Bildern aus der Kirche vor allem Fotos aller Häuser mit Inschriften und deren vollständige detailgetreue Darstellung in Farbdruck aufweisen – etwas ganz Besonderes! Allein dank der Förderung durch die Stadt Osterwieck und ihres langjährigen Bürgermeister Ulrich Simons wird das in dieser Ausführlichkeit und Qualität möglich sein.

 

Beides, das „zwei Jahrzehnte währende vorbildliche Engagement zur Rettung der Kirche St. Stephani in Osterwieck …“ und die „wirkungsvolle Öffentlichkeitsarbeit“, die „auf die hohe Bedeutung der Kirche, aber auch auf die an Denkmalen reiche Stadt Osterwieck aufmerksam macht und [sich] für ihren Erhalt einsetzt“ wurde vor wenigen Tagen in Anwesenheit des Herrn Bundespräsidenten vom Deutschen Nationalkomitee für Denkmalschutz in Schwäbisch Hall mit dem Preis der „Silbernen Halbkugel“ ausgezeichnet. Die Anregung dazu ging von den Freunden St. Stephanis und seines Kirchbauvereins in der Unteren Denkmalschutzbehörde in Halberstadt, im Landesdenkmal in Halle und vom Landrat des Landkreises Harz, Herrn Dr. Michael Ermrich aus. Der Preis ist mit keinerlei finanzieller Zuwendung verknüpft, gilt aber – und das ist wesentlich – nicht nur dem Engagement für St. Stephani, sondern ist auch eine Anerkennung der Denkmalwürdigkeit dieser Kirche und der Häuser Osterwiecks. Dafür sind wir dem Deutschen Nationalkomitee für Denkmalschutz und denen, die sich für die Auszeichnung eingesetzt haben, sehr dankbar, stand doch schon das erste Symposium, das der Kirchbauverein im Mai 1991 veranstaltet hat, unter dem Motto „Osterwieck und St. Stephani – die alte Fachwerkstadt und ihre Kirche – Sanierung hilft beiden“.

Die Kirchen und Häuser der spätmittelalterlichen Stadt mussten nach einem verheerenden Hochwasser der Ilse 1495 im 16. Jahrhundert neu erbaut werden. St. Stephani und 138 Häuser haben den dreißigjährigen und alle weiteren Kriege überstanden. Die jetzt an einigen ebenso großen wie bedeutenden Baudenkmalen bestehenden schweren Schäden sind im Wesentlichen erst nach 1945 entstanden. Wenn nicht bald etwas geschieht, wird es zu spät sein. Die Renovierung des in Osterwieck aus dem Reformationsjahrhundert geschlossen erhaltenen Denkmalensembles von Kirche und Stadt sollte jetzt, bald mehr als 20 Jahre nach 1989, auch in Hinblick auf das Jubiläumsjahr 2017, eine Verpflichtung von nationalem Rang sein. Die dazu erforderlichen Mittel sind – vergleichsweise! – eher gering. Die „Silberne Halbkugel“ ist ein Signal der Hoffnung dafür, dass es gelingen könnte. Und da St. Stephani dazu gehört, sehr verehrte Freunde der Kirche und Mitglieder des Vereins, bleiben Sie bitte auf unserer Seite!

 

Denn auch in der Kirche gibt es – abgesehen von schon wieder mannigfach Auszubesserndem – Wünsche der Kirchengemeinde. Dazu gehört eine Verbesserung der Zugänge zu den Räumen im renovierten Westbau ebenso wie die Vorstellung, das Innere des gewaltigen Dachraums des Kirchenschiffs der Besichtigung zugänglich zu machen. Auch für den im Erdgeschoß des Nordturms befindlichen, kreuzgratgewölbten kapellenartigen Raum, der bisher als Abstellraum genutzt wird, könnte sich Pastor Eichner vorstellen, ihn seiner baulichen Würde entsprechend als einen nach den künstlerischen Vorstellungen unserer Zeit ausgestatteten Raum der Stille und des Gebets zu gestalten.

 

Im Unterschied zu solchen Vorstellungen ist dagegen die Planung zur Fortführung der Altarrestaurierung bereits in einem fortgeschrittenen Stadium. Die von der von der Hans und Helga Eckensberger-Stiftung geförderte und in den ersten Monaten 2009 durchgeführte statische und funktionelle Sicherung hat die Voraussetzung dafür geschaffen, dass als nächste Maßnahme eine abklärende Untersuchung und Bestandsaufnahme ausgeschrieben werden konnte. Die entstehenden Kosten wird der Kirchbauverein übernehmen, wobei für die im Rahmen dieser Untersuchung schon fertig restaurierten Teile des Altars vielleicht schon ein Sponsor gesucht und gefunden werden kann. Abhängig von den Ergebnissen dieser Voruntersuchung soll dann im nächsten Jahr mit der schrittweisen Restaurierung begonnen werden, auf Grund der jeweilig vorliegenden Kostenvoranschläge kann dann für einzelne größere Teile des Altars oder ganze Arbeitsgänge wie andererseits auch für kleine Teile, wie einzelne Schnitzfiguren, an Förderer mit der Bitte um Unterstützung oder Übernahme der Kosten herangetreten werden. Denn nur auf diese Weise ist die so dringend notwendige Restaurierung überhaupt finanzierbar. Der Altar wird auf jeden Fall immer in der Kirche bleiben, eine gute Möglichkeit für jeden, der die Kosten für eine einzelne Maßnahme oder nur eine Figur übernehmen möchte, sich vom Fortgang der Arbeiten zu überzeugen. So kann die Altarrestaurierung vielleicht zu einem Gemeinschaftswerk vieler werden. Institutionen oder Privatpersonen, die sich schon jetzt daran beteiligen möchte, sind herzlich gebeten, sich mit Pastor Eichner in Verbindung zu setzen.

 

Wir erinnern uns auch am Ende des Jahres 2008 an viele gute Begegnungen in St. Stephani. Gottesdienste, Konzerte und Ausstellungen gaben dazu immer wieder Anlass – St. Stephani ist nicht nur eine feste Burg des Glaubens, des Lobes und des Dankes, die Kirche ist auch ein Ort, von dem Kultur in alle Richtungen ausstrahlt und Menschen von weit her zusammenführt. Das wird auch im nächsten Jahr so sein, das beiliegende Programm bietet wieder viel. Nur auf zwei Veranstaltungen sei besonders hingewiesen.

Zunächst – weil es im Programm 2009 nicht enthalten ist – auf das Weihnachts-Konzert, das

„Die Prinzen“ am 19. 12. 2009 um 20.00 geben (nur noch Restkarten!) und dann auf das

Neujahrskonzert am Sonntag, den 10. Januar 2010 mit

Johann Sebastian Bachs – Messe in h-moll, BWV 232

mit dem BACH-CONSORT Leipzig unter Gotthold Schwarz

Eintritt: 22,- € / erm.: 20,- € /// 20,- € / erm.: 28,- € /// 18,- € / erm.: 15,- €

 

Und hier darf abschließend nochmals Lob und Dank gesagt werden: dem BACH-CONSORT, das das Werk extra für seine Lieblingskirche St. Stephani erarbeitet hat und dem Ehepaar Eichner dafür, dass sie „unser“ BACH-CONSORT nach vielen Jahren dazu bewegen konnten. Wer die unvergesslich eindrucksvolle Aufführung der Kantaten 4-6 des Weihnachtsoratoriums vom Januar dieses Jahres noch im Ohr hat, der weiß, was ihn erwartet: die Kirche sollte mindestens so voll – es sei ihnen gegönnt! – wie bei den Prinzen werden.

 

 

Bis dahin wünschen wir Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein gutes neues Jahr!

 

  
           Peter Werner,  Dr. Klaus Thiele,  Pfarrer Stephan Eichner

 
  
 
Weihnachtsbrief 2008
 

Osterwieck und Wolfenbüttel, im Dezember 2008

Sehr verehrte Freunde und Förderer der St. Stephani-Kirche Osterwieck und ihrer Kirchengemeinde, sehr verehrte Mitglieder des Kirchbauvereins!

„Hätten wir ein Gemüt, Gott und Den gemeinen Nutzen vor Auge und Gewichte Und Münze gut gültig, so stünde es wohl in der Welt. Soli deo gloria Das Wort Gottes bleibt in Ewigkeit, Im Jahr des Menschlichen Heils 1550 Wo Gott das Haus nicht baut, so arbeiten vergebens die daran bauen."

Mit besonderer Betroffenheit liest man sie am Ende des Jahres 2008: die Hausinschrift an einem der schönsten und ältesten Häuser Osterwiecks – wenn man sich die Zeit nimmt, die in altertümlichen Buchstaben geschnitzte Inschrift zu entziffern und die niederdeutschen Worte noch verstehen kann. Auch damals, im Jahr 1550 gab es keine „Heile Welt". Und doch, wie selbstverständlich war den Bauherren des Hauses Stobenplatz 2 die Botschaft, daß Gemeinnutz und wirtschaftlicher Wohlstand auf einem an Gott orientierten Bewußtsein beruhen und das Vertrauen auf den Herrn und sein ewig bestehendes Wort allein die Fundamente menschlichen Arbeitens und Bauens sind.

Leichter als solcher Einsicht zu folgen und zu vertrauen fällt es uns sicher, uns mit dem „Soli deo gloria" und der Weihnachtsgeschichte in den Stall von Bethlehem entführen zu lassen und dem Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach zuzuhören. Gelegenheit dazu gibt es wieder im traditionellen Osterwiecker Neujahrskonzert am Sonntag, den 4. Januar um 16 Uhr in St. Stephani mit dem BACH CONSORT Leipzig unter Gotthold Schwarz und den für den Neujahrstag und die folgenden Sonntage komponierten Kantaten 4-6.

Wer bisher eines dieser festlichen Neujahrskonzerte noch nicht erlebt hat – wie unter vielem anderen die unvergeßliche Aufführung von Händels „Messias" im Januar dieses Jahres – hat schon seit vielen Jahre etwas nachzuholen. Diejenigen, die jedes Jahr dabei sind, können sich die erste Woche eines neuen Jahres ohne die Wiederholung des „Leipziger Jahresschlußkonzertes" in Osterwieck ohnehin nicht mehr vorstellen – und so werden uns die Kantaten IV-VI auch durch dies Rundschreiben begleiten. Mit „Loben und Danken“ setzt die IV. Kantate des Weihnachtsoratoriums ein, Lob und Dank gebührt auch Ihnen, sehr verehrte Freunde der Stephanikirche, insbesondere all den vielen, die nun bald im 20. Jahr treue Mitglieder des Kirchbauvereins sind und deren Spenden und Beiträge von Beginn an wie auch noch heute die Voraussetzung dafür waren und sind, daß die Innenrenovierung und beginnend nun auch die Außenrenovierung der Kirche den heutigen Stand erreichen konnte.

Nur deshalb kann der Kirchbauverein beim 2. Bauabschnitt 2007 (Fassaden und Dachsanierung Nordturm), der trotz nunmehr gesicherter Finanzierung in Höhe von 220.000 € dann doch erst im März 2009 in Angriff genommen werden kann, mit 12.000 € dabei sein, im 3. Bauabschnitt 2008 (162.000 €), von dem wir hoffen, daß er wegen des stehenden Gerüsts gleich anschließend ebenfalls noch 2009 realisiert werden kann, werden es 11.000 € sein. Dies ist der Grund, weswegen wir trotz hoher anderer Zuschüsse immer wieder um Ihre Spenden bitten.

Aus einer hohen Kranzspende – auch das gehört zu einem Verein mit vielen älteren Mitgliedern – konnte die Begehbarmachung der „Himmelsleitertreppe" bezahlt werden. Auch dafür danken wir nochmals ausdrücklich, wie auch der Hans und Helga Eckensberger-Stiftung Braunschweig, mit deren Hilfe in Höhe von 1958 € das Gemälde selbst restauriert werden konnte.

Diese Stiftung ist nunmehr seit 1996 in vielfältiger Weise an der Restaurierung der Kirche beteiligt. Das Stiftungslogo befindet sich in Stein gehauen schon links am Sockel der Brautpforte, seine Anbringung in der Kirche im Bereich der Arkadenreliefs soll in den ersten Monaten 2009 erfolgen.

Obwohl im nächsten Jahr ein großer Anteil Ihrer Spenden, sehr verehrte Freunde, in den Schieferdächern und Mauern der Turmfront aufgehen wird, wird in der Kirche die dringend erforderliche Restaurierung des Altars von höchster Priorität sein. Schon gleich nach den Altarwandlungen in der Passions- und Osterzeit des nächsten Jahres – den Sonntag Invocavit wird wieder Gotthold Schwarz mit einem Solistenensemble gestalten – wird zunächst die statische und funktionelle Ertüchtigung des Flügelaltars in Angriff genommen werden. Für das kostbare Altartriptychon, das Herz- und Prinzipalstück der Kirche, werden wir Sie in den nächsten Jahren immer wieder um Spenden bitten.

Bleiben Sie uns bitte treu, auch mit Ihren Beiträgen und Spenden – und werben Sie bitte in der Familie und unter Freuden um Mitglieder, denn die vollständige Restaurierung kann nur das Werk mehrerer Generationen sein und mancher von denen, die seit 1990 dabei waren, haben die Vollendung nicht mehr erleben dürfen.

Dankbar sind wir auch dafür, daß in zwei Gottesdiensten, einmal St. Stephani und die Osterwiecker Kirchengemeinde und beidemal Pfarrer Stephan Eichner sogar im Fernsehen zu sehen waren. Es waren dies der ZDFGottesdienst am 24. Februar in St. Stephani und der Abschlußgottesdienst des Bläsertages in Leipzig.

„Ehre sei Dir Gott gesungen" ist der mächtige Einleitungschor der V. Kantate. Dennoch, das vielfache „Soli deo gloria" der Osterwiecker Hausinschriften aus dem 16. Jahrhundert ist nicht der Lobgesang der Engel der Weihnachtsgeschichte, es sind die alttestamentlichen Worte mit denen Mose das Volk Israel kurz vor seinem Tod nochmals ermahnte „Gebt unserm Gott allein die Ehre!"

Und so erinnern wir uns mit dem „Soli deo gloria" am Haus Stobenplatz 2 an zwei vielbeachtete Veranstaltungen der letzten Monate in St. Stephani: Zum einen an die Eröffnung der Fotoausstellung, die den Inschriften an 41 Osterwiecker Häusern gewidmet ist, am diesjährigen „Tage des Offenen Denkmals". Er fand seinen festlichen Abschluß mit einem beindruckenden, von Regina, Stephan und Kirsten Eichner gestalteten „Konzert für Flöte, Trompete & Orgel". Wir freuen uns schon darauf, daß diese Sternstunde Eichner’schen Musizierens in St. Stephani auch auf einer CD festgehalten ist und demnächst für 7 € erhältlich sein wird.

Zum andern an das ebenso eindrucksvolle Abschlußkonzert der Reihe „Dome und Schätze" im 15. Jubiläumsjahr der „Straße der Romanik" mit dem zum Kammerorchester erweiterten Rossini-Quartett und der Magdeburger Mezzosopranistin Undine Dreißig. Der überregional bedeutsame Anlaß hatte prominente Zuhörer aus Magdeburg, manche sicher erstmals, nach Osterwieck gezogen. Alle waren wie immer von der festlichen Atmosphäre und der Akustik der Kirche berührt, vor allem die Künstler so sehr, daß auch die Abschlußveranstaltung der Romanikstraßenkonzerte des nächsten Jahres in St. Stephani stattfinden wird.

Aber am „Tage des Offenen Denkmals" wie auch anläßlich des 15jährigen Bestehens der „Straße der Romanik"war nicht nur ein eindruckvolles Konzert zu erleben. Denn sowohl dem „Tag des Offenen Denkmals" als auch der „Straße der Romanik in Sachsen-Anhalt" geht es immer auch ganz wesentlich um die Erhaltung von Baudenkmalen.

Schon von dieser Zielsetzung her unterstrichen beide Veranstaltungen den denkmalpflegerischen Aspekt der von der Kirchengemeinde Osterwieck und dem Kirchbauverein gemeinsam getragenen, den Osterwiecker Hausinschriften gewidmeten Fotoausstellung. Vor fünf großformatigen Farbdrucken aufgestellt, werden in sieben Vitrinen 43 der 126 im Reformationsjahrhundert erbauten Osterwiecker Häuser mit Detailaufnahmen ihrer Inschriften und Erläuterungen gleichsam in der Kirche versammelt. Unter der 1572 erbauten Nord-Empore mit den biblischen Bildern von 1589 verkünden diese Inschriften durchweg reformatorische Theologie und legen noch heute Zeugnis ab von der Frömmigkeit und Glaubensstärke Osterwiecker Vorfahren, die nach einer Flutkatastrophe im 16. Jahrhundert nicht nur ihre Stadt neu erbauten, sondern mit dem Kirchenschiff von St. Stephani auch einen der ersten protestantischen Kirchenbauten errichteten und Osterwieck damit zu einer „Stadt der Reformation besonderer Art machten.

In beiden Veranstaltungen konnte dies einer interessierten Öffentlichkeit vorgestellt werden. Unterstützung dieser neuen Sicht und der Neubewertung der Osterwiecker Baudenkmale haben der Bürgermeister der Stadt, Ulrich Simons und der Landrat des Landkreises Harz, Dr. Michael Ermrich zugesagt, der Beauftragte der Mitteldeutschen Kirchen beim Landtag und der Landesregierung Sachsen-Anhalts, Oberkirchenrat Albrecht Steinhäuser und der Staatsekretär im Wirtschaftsministerium Detlef Schubert bekannten sich in Ansprachen dazu. Der Tourismusverband Sachsen-Anhalt hat in seinem letzten Rundschreiben auf Osterwieck als Stadt der Reformation und die Ausstellung hingewiesen.

Dies war sicher ermutigend. Die Ausstellung soll aber nicht nur auf die im Landkreis Harz und Sachsen-Anhalt so einzigartigen kirchen- und städtebaulichen Auswirkungen der Reformation veranschaulichen. Denn unter den noch immer ca. 50 desolaten Fachwerkhäusern der Stadt sind noch eine Reihe der einmaligen Baudenkmale des Reformationsjahrhunderts, auch das Äußere des Kirchenschiffs von St. Stephani gehört dazu. Darauf hinzuweisen ist der denkmalpflegerische Aspekt, der seine Aktualität und einen geradezu zwingenden und unaufschiebbaren Anspruch daraus ableitet, daß die in diesem Jahr in Vorbereitung des Reformationsjubiläums 2017 ausgerufene „Dekade der Reformation“ die letzte Chance sein dürfte, das so einmalige „Denkmalensemble der Osterwiecker Altstadt als Stadt der Reformation“ für die Nachwelt zu erhalten.

Dies durch politische Entscheidungen zu erreichen, darum geht es jetzt der Kirchengemeinde, dem Kirchbauverein und auch dem Bürgermeister der Stadt. Denn allein, wenn die Altstadt von Osterwieck insgesamt als Denkmalensemble von nationalem Rang anerkannt wird, können die notwendigen denkmalerhaltenden Konzepte erarbeitet und die erforderlichen Denkmalschutzmittel zur Verfügung gestellt werden. Die kleine Stadt und ihre Bewohner, für die es in Hinsicht auf ihr Wertgefühl und die Attraktivität ihres Stadtbildes kaum zumutbar ist, weiterhin mit ihrem wertvollen städtebaulichen Erbe allein gelassen zu werden, können dies allein nicht bewältigen.

Womit wir wieder beim Ausgangspunkt, dem Wort „allein“ der Osterwiecker Hausinschriften angelangt sind. Es ist das monotheistisch-mosaische „allein“ des Alten Testaments ebenso wie das kategorische „allein" des Reformators Martin Luther: einschließlich der Worte „allzeit", „alles", „allzumal" und „solus" kommt es etwa 30mal in den Osterwiecker Hausinschriften vor. Allein das ist eine der Denkmalwürdigkeiten Osterwiecks, die es in keiner anderen Stadt gibt – es ist aber auch ein Anspruch, an dessen Überwindung die christlichen Konfessionen wie die Religionen allzumal bisher vergeblich arbeiten.

Das Konzert des Wolfenbütteler Kammerorchesters am Tage des Offenen Denkmals 2009 ist gewissermaßen schon ein Vorgriff auf das 20jährige Jubiläum unseres Vereins im Jahr 2010, sind doch die besonderen Beziehungen, die mit gegenseitigen Besuchen aus und in Orte beiderseits der damals noch bestehenden Grenze am Jahresende 1989 ihren Anfang nahmen, eine der Wurzeln dessen gewesen und geblieben, was sich zu der bis heute anhaltenden Erfolgsgeschichte der Restaurierung von St. Stephani-Osterwieck weitete.

Im Gegensatz zu den mannigfachen verunsichernden Unkenrufen dieses Jahresendes grüßen wir Sie aus Wolfenbüttel und Osterwieck – am Ende des ersten Jahres der „Dekade der Reformation“ wohl auch ganz im Sinne derer, die Osterwieck zu einer Stadt der Reformation erbauten – mit den Worten des Schlußchores der Kantate VI aus Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium: So gib, daß wir im festen Glauben Nach Deiner Macht und Hilfe sehn. Wir wollen Dir allein vertrauen.

Wir wünschen Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein gutes neues Jahr!

 Peter Werner,  Dr. Klaus Thiele,  Pfarrer Stephan Eichner